Webmaster: Reiner Jacob

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Walhai überfahren

von Reiner Jacob

Wir fuhren durch die Karibik in Richtung Christobal. Kapitän Kunick hatte ein Bootsmanöver für morgens um 10 angesetzt. Als das Typhon das Morsezeichen B, -ein lang, drei kurz- blies, rannten alle Mann auf Ihre Station. Ich selbst brauchte nicht an der Übung teilnehmen, da ich Wache in der Maschine hatte. Die Wachgänger auf der Brücke und in der Maschine waren vom Bootsmanöver befreit.

Es dauerte nicht lange, da ging ein Anruf von der Brücke ein. Der wachhabende Offizier bemängelte, dass die Selbstruderanlage nicht mehr in der Lage war das Schiff auf Kurs zu halten. Bei uns in der Maschine stiegen nun langsam die Abgastemperaturen der Hauptmaschine an. Keiner hatte eine Erklärung für das seltsame Verhalten des Schiffes. In der Maschine und auch auf der Brücke war trotz intensiver Suche nichts auszumachen, was ein derartiges Verhalten hätte erzeugen konnte. Da kam Chief Spiekermann der rettende Einfall. Er schickte den Assi Rolf Fassel, der mittlerweile die Wache übernommen hatte, auf die Back und ließ ihn den Rumpf absuchen. Rolf fand auch bald die Ursache. Wir hatten einen Walhai überfahren. Das etwa 15 m lange Tier hing mit seinen Kiemen an unserem Bug  fest. Wahrscheinlich hatte er knapp unter der Wasseroberfläche in der Sonne gedöst. Sein markant gemusterter Körper schmiegte sich jetzt an der Backbordseite an den Bootskörper und sorgte durch diesen unsymetrischen Widerstand dafür, das der Kurs nicht gehalten werden konnte. Auf Grund der hohen Geschwindigkeit war der Fisch auch nicht in der Lage sich selbst zu befreien. Die ganze Mannschaft stürmte natürlich nach vorn um den Kameraden zu bestaunen. Jetzt erinnerten sich auch einige daran, dass kurz vor dem Bootsmanöver ein leichter Stoss durchs Schiff gegangen ist, etwa so, als wenn es etwas härter auf eine Welle aufschlägt. Wir hatten allerdigs zu dem Zeitpunkt eine spiegelblanke, glatte See. Obwohl ein paar Mann den Fisch gerne mit dem Ladebaum an Bord gehieft hätten, konnte der Walhai, nachdem wir mit der Geschwindigkeit runtergegangen waren, in der Tiefe der Karibik verschwinden.

Der Walhai hängt längs der MS Alemannia am Bug

Vorkommnisse auf Reise 20 und 21

von Knut Frisch

Ich habe auf der Alemannia zwei Törns nach Ostasien als Assi gemacht. Es waren die Reisen 20 und 21.

Von den Reisen habe ich viele Erinnerungen aber wenig Unterlagen.

Die Reise 20 führte von den Nordseehäfen über Livorno, Genua, Kapstadt (der Kanal war ja zu) nach Ostasien und über Japan,Hawai Panama Kanal nach Europa. Auf diesem Törn wurde das Schiff dreimal von einem Taifun erwischt.

In Honkong riß das Schiff sich in der Taifun-Nacht vom Anker los und Trieb durch die Felsen. Erst nach 24h Stunden konnte ein Kontakt zum Schiff wieder hergestellt werden. Die an Land verbliebene Mannschaft erlebte abenteuerliche Sachen. Da wenig Geld noch vorhanden und in den Hotels die Fenster zerstört wurden schliefen einige freiwillig im Knast oder in der Lobby des Honkong-Hotels.

Die Reise 21 führte um das Kap der guten Hoffnung auf Aus-und Heimreise. Besondere Vorkommnisse auf dieser Reise waren die Aquatortaufe, das Weihnachtsfest in Hongkong sowie die Suche nach einem Seenotfall vor Süd-Afrika auf der Heimreise. Hierbei wurde das aufgeschwommene Rettungsboot des nach einer Kollision im Nebel gesunkenen griechischen Bulkcarriers aufgenommen.

Die Alemannia droht zu kentern

von Ronald Woehrn

Auf der Reise mit Ludwig Petersen ist auf der Heimreise unsere Holzdeckslast verrutscht und wir mußten mit 40° Schlagseite Brest als Nothafen anlaufen. Karl-Ludwig Thorun fuhr mit den beiden Manövrierunfähigkeits-Laternen (rot über rot) durch die Biskaya und wagte nicht, den Kurs zu ändern aus Angst, der Dampfer würde ganz umkippen (mir war allerdings auch nicht wohl zumute und wir hatten alle unsere Papiere in einem Plastikbeutel um den Hals getragen). Dann hatte sich noch der Stülcken-Baum gelöst und die Königstaljen hatten sich aufgedreht.

PS: Ok, das mit dem Nothafen war wohl vielleicht etwas Übertrieben. Brest wurde angelaufen weil dort eine 6 x 6 m große Radarantenne aus den USA gelöscht werden sollte. ( Quelle: Fischer, Stock). Trotzdem eine schöne Geschichte. (Nachsatz von Reiner Jacob)

Datumsgrenze

von Helge Fischer
Nun zu der Reise Jan. 86 - April 68, die Nr. weiß ich nicht mehr.
Das war die Reise, wo wir mit Schlagseite über den Atlantik gefahren sind und dann in Brest die Antenne gelöscht haben.
Die Reise ging damals von Hamburg über Bremerhaven, Antwerpen, Rotterdam nach Singapore, Hongkong, Nagoya, Shimitsu, Yokohama, Kobe, Nagoya, Yokohama, Kalifornien, um die Antenne zu holen, Panama-Kanal bis Hamburg. Das Besondere an der Reise war, dass wir nur Richtung Osten gefahren sind und an der Datumsgrenze den 20. März 2 mal erlebt haben. D.h., wir sind Mittwochabend in die Koje und Mittwochmorgen wieder aufgestanden. Das war schon ein komisches Gefühl, einen Tag durch die Zeitverschiebung und der Datumsgrenze 2 mal zu erleben.

Sturm zwischen Portland und San Francisco

von Reiner Jacob

Nachdem wir den Columbia River hinter uns gelassen hatten erwischte uns zwischen Portland und San Francisco ein ordentlicher Sturm. Windgeschwindigkeiten bis zu 175 km/h und hochgehende See zwangen uns mit der Fahrt auf "Halbe" herunter zu gehen. Trotzdem machten wir zeitweise wegen des Gegenwindes keine Fahrt über Grund. Es dauerte ein paar Tage länger bis wir Oakland erreichten. Unterwegs hat sich in einer Luke ein Container losgerissen. Alle Bemühungen der Matrosen diesen Container durch kreuzweises spannen von Stahlseilen wieder einzufangen schlugen fehl. Der Container löste einen Container nach dem anderen durch sein Aufschlagen aus den Laschungen. Bis wir Oakland erreichten rutschten acht Container bei jeder Rollbewegung von einer Seite der Luke zur anderen. In Oakland hatten wir dann ein schönes Gemisch aus Mais, Bohnen, Fruitcocktail und ich weiss nicht was noch in dieser Luke. Der Gestank des Gemisches war unbeschreiblich. Das einzig Gute an der Sache war, das wir 3 Tage in Oakland gelegen haben, bis die Sauerei aus der Luke entfernt war.

Ansteuerung Yokohama

zu Verfügung gestellt von Knut Frisch
Im Pazifik - wie war das schön -, auch nicht das kleinste Schiff zu seh'n.
Nur einmal, so im Morgenlicht, da kam Hawaii für uns in Sicht.
Ganz einsam man des Weges zog, bis man um Oshima bog.
Da blinkt und blitzt ein Lichtermeer, die Schiffe fahremkreuz und quer
und überall, man glaubt es nicht, brennt helles Fischerlampenlicht.
Segler Dampfer ein paar Riffe, Tanker und Containerschiffe,
Schuten, Schlepper und ein Kahn suchen tutend ihre Bahn.
Und zwischendurch, was gar nicht lieb, herrscht Kamikaze - Fährbetrieb.
Der Steuermann hat seine Not - von Steuerbord gleich fünf mit rot -
am Bug ganz nah ein Fischermann der grad noch überleben kann.
Den Burschen - nahezu am Sinken - sieht fröhlich man herüber winken.
An Steuerbord, wie es so geht, natürlich nun die Peilung steht.
Das dicke Ding dort recht voraus sieht wie ein Riesentanker aus.
Als das dann auch der Alte sieht ruft hurtig er: "Manöverspeed !"
"Verdammtes Fischermännerpack, der Zimmermann muß auf die Back
und in die Nock ein zweiter Mann damit man besser watchen kann!"
Inmitten helstem Fischerlicht kommt nun die Tonne 1 in Sicht.
und ein paar Rote deuten an das man hier gut versenken kann.
Ein Schleppzug ohne jedes Licht kommt nun von Backbord quer in Sicht.
Auf falscher Seite wie ein Bauer kommt nun ein ganz besonders Schlauer.
Ein anderer zeigt es jedermann wie gut man hier abkürzen kann.
Und zwischendrin - wer denkt das schon - ruft nun auch die Signalstation.
Ein Glas fällt runter -wildes Hasten - wo steht denn nun der Morsekasten?
Nachdem ein Fischer fast zu Brei passiert man nun die Tonne zwei.
Der Dritte meldet ganz beglückt: " Man hat den Namen mitgekriegt !"
(Obwohl er nicht ganz sicher ist - denn immer noch ruft ihn das Licht)
Da im Moment nur wenig los, man zählt knapp achtzig Schiffe bloß,
erinnert jemand sich daran, daß man auch überholen kann.
Am besten links von jenen zwei die grad passieren Tonne drei.
Der Tanker wird dann rechts genommen, dann bleiben backbord alle Tonnen.
Und dieser Eimer da voraus, den tricksen wir schon lange aus.
" Full speed ahead" gibt man drum munter die Order zur Maschine runter.
Als der voraus querab und fein, da fällt ihm etwas Neues ein.
Er drängt nach Backbord, Mann o Mann, von vorne kommen auch zehn an.
Vom Radar ruft erschreckt der Zweite: " Die bleiben nicht auf ihrer Seite!"
Maschine langsam - nicht so sputen - man fängt nun erstmal an zu tuten.
Drauf fährt dann alles hin und her, auch ein paar Fischer schiessen quer.
Sieht man das so könnt man fast denken, die woll'n sich alle selbst versenken.
Der Alte sagt mal mittendrinnen: "Ich sag' es ja, die Japsen spinnen!"
so querab von Tonne drei ist dann auch dieser Spuk vorbei.
Man hat sich halt in all den Jahren gut auf japanisch eingefahren.
Wer leicht erlöst jedoch nun lacht hat an die Fähren nicht gedacht.
Von beiden Seiten, wie's so geht, schon wieder mak die Peilung steht.
Ein Fischermann, genau voraus, legt ruhig seine Netze aus.
Und achteraus ein Tankermann, der's auch nicht mehr erwarten kann.
Um dieser Sache zu entweichen, muß man nun etwas schneller schleichen.
Drum etwas Backbord, halb voraus, verdammt: nun fällt das Radar aus.
Die Nautik nimmt für alle Mann und unliebsame Formen an.
Das Radar wird nun während dessen vom E.-Mann erstmal durchgemessen.
Bis einer hilft ihm auf den Sprung: "Da fehlt doch nur 'ne Sicherung".
Die Fähren man grad meistern kann, das Radar springt auch wieder an.
Der E.-Mann trinkt ganz stolz sein Bier, man ist nun schon bei Tonne vier.
Vom Radar tönt's - was man schon sah - "wir sind dem Fort etwas zu nah!"
Nach Backbord man fix ändern muß, sonst ist hier plötzlich Reiseschluß.
Von rechts - bisher verdeckt vom Fort - da kommen sie nun volles Rohr.
Ein Kümo - Fischeraufgebot - und selbstverständlich alle rot.
(ganz klar, daß nicht ein jedermann die Tonne vuier umfahren kann)
Und deshalb geht an diesem Ort so zu wie sonst beim Wintersport.
Da wird geschnitten und gewedelt, von hinten links durch eingefädelt.
Hier kann man aus ganz wilden Lagen die allerschönsten Haken schlagen.
Mal sackt man backbord langsam raus,dann wieder mittschiffs voll voraus.
Erschrecktes Tuten, Lichterfunkel, hier tappt man selten nur im Dunkeln.
Hier wendet jeder Fahrensmann nur seine eigenen Regeln an.
Und ehe man sich recht besonnen, ist man zu Tonne fünf gekommen.
Hier wirds dann ruhig, richtig heiter, von hier aus gehts dann fröhlich weiter.
Nur halbsekündlich, dann und wann, trifft man einen Fischermann.
Von großen Schiffen ganz zu schweigen, die sich nur minütlich zeigen.
Von Tonne A bis Tonne C ist's wieder richtig schön auf See.
Gott, die Fischer, sagt man sich, finden hier den schönsten Fisch.
Sie haben sich auch stets benommen, man ist ja immer durchgekommen.
Und winken tun sie alle Mann, daß man sich recht drauf freuen kann.
Man schleicht sich nun zur Reede weiter, dann wirds langsam wieder heiter.
Frachter mit ganz fremden Namen, weiße Schiffe mit Bananen,
Dampfer riesig anzuschaun mit und ohne Ladebaum.
Ein paar Krieger sieht man auch, Tanker mit viel Öl im Bauch.
Dampfer nur für Passagiere, Containerschiffe - hoch - gleich viele,
was man sich irgend denken kann trifft man hier auf Reede an.
Alle ganzen hoffen, die hier liegen, einen Lotsen bald zu kriegen.
Im Radar liegt und sieht es bald so aus als führ man über Land hinaus.
Und zornig knurrt der Alte: "Schatz, du liegst auf meinem Ankerplatz".
Nun dreht man suchend ein paar Runden, bis man ein Plätzchen hat gefunden.
Der Alte fand eins voller List, daß beinah maßgeschneidert ist.
Bemerkt man recht voraus im Groll,
-'nen Schleppzug der sich schlecht benimmt und munter Kurs auf uns zu nimmt.
Vorsichtig und schon leicht befangen wird nochmal rückwärts nun gegangen.
Mit etwas Backbord, leicht voraus, bügelt man auch diese Sache aus.
Dann ist man auch nicht mehr zu halten, der Timmy kann des Amtes walten.
Befreit sind alle und ganz munter, schmeißt er den Haken nun hinunter.
Nun wird gepeilt, man ist beglückt, daß man nicht mehr in der Einfahrt liegt.
Der Alte - frei von allem Laster - called nun erstmal den Harbour-Master.
" I'm one mile östlich from your port, send me the pilot quick on board!"
Als Antwort kommt, wie eh und jeh, erstmall ein langgezogenes "EEEEEE",
Nach "Over - thank you " fängt es ganz fürchterlich zu "AAAAA"en an.
Dann Pause - man glaubt schon benommen, der hat gar nichts mitbekommen.
Dann plötzlich: "Pilot - situation depends on berthing operation"
"Yes, thank you, sure, pilot will come", dann fängt er fix zu Stottern an.
Nocheinmal " Over" noch "EEEEEEEEE", der Alte gibt bekannt: "Ich geh' ,
watched Kanal 16 und gebt acht, daß keiner krumme Dinger macht.
Ich muß mich jetzt erst einmal laben, muß einen Whisky-Soda haben."

Mann über Bord

von Joachim Passmanns
Der Albtraum eines jeden der zur See fährt: Über Bord zu fallen Es war Ende Juli oder auch Anfang August 1977. Die Alemannia befand sich auf ihrer 49.Reise auf der Überfahrt von Genua nach Syracus auf Sizilien, kurz vor der Strasse von Messina. Nach der morgendlichen Arbeitseinteilung durch den Bootsmann begaben sich ein türkischer Matrose und der deutsche Decksmann daran, die Luke direkt von den Aufbauten zu säubern. Dafür stieg der Decksmann in die Luke hinab und sein türkischer Kollege ließ mit dem Ladegeschirr eine Netzbrook in die Luke hinunter in die dann vom Decksmann der gesammelte Abfall gefüllt wurde.Nachdem die Brook gefüllt war kletterte der Decksmann wieder an Deck um die Netzbrook nach außenbords zu entleeren. Sein Kollege beförderte dazu die Brook an Backbord nach außenbords und der Decksmann versuchte mit seinem Decksmesser den Autolasching zu zerschneiden, mit dem dir Brook verschlossen war. Da beiden der direkte Blickkontakt durch die an Backbord stehenden Container nicht möglich war, kam die Brook etwas zu hoch zum Hängen. Nach etlichen erfolglosen Versuchen die Brook in eine erreichbare Höhe zu bringen kletterte der Decksmann verzweifelt auf die Verschanzung um an den Autolasching zu kommen. In dem Moment in dem der Decksmann zu schneiden begann, fierte der Matrose die Brook, der Decksmann verlor sein Gleichgewicht und ging Außenbords. Das alles passierte gegen 6:30 Uhr.
Als es nach dem Frühstück gegen 8 Uhr zur Neueinteilung der Arbeit kommen sollte und der türkische Matrose nach dem Verbleib des Decksmannes gefragt wurde gab dieser zu bedenken, dass dieser am Vorabend eine Party hatte und wahrscheinlich wieder in die Koje gegangen sei. Doch nachdem die Suche nach dem Decksmann erfolglos blieb und an der Stelle, wo er zuletzt gearbeitet hatte, sein linker Schuh gefunden wurde ging dann alles ganz schnell. Gegen 8:30 Uhr wurde das Mann-über-Bord-Manöver mit einem klassischen Williamson-Turn eingeleitet und die komplette Besatzung, inklusive Freiwachen, Stewards und Wäscher gingen Ausguck. Aufgrund der absolut ruhigen See und Windstille wurde der Decksmann gegen 10:30 Uhr gesichtet und kurz darauf unverletzt wieder an Bord geholt. Dieser hatte sich mittlerweile aus dem Stauholz das in der Brook war und dem Autolasching ein kleines Floß gebaut. Doch insgeheim hatte er bereits, wie er später unter Alkoholeinfluss auch zugab, mit seinem Leben abgeschlossen. 
Trotz dieses einschneidenden Erlebnisses nach seiner erst 3 wöchigen Tätigkeit auf einem Schiff blieb der Decksmann der Seefahrt für weitere 2½ Jahre treu. Dieses nicht zuletzt aufgrund des Zuspruches seiner Kollegen und trotz des Angebots der Reederei, ihn in Syracus abzulösen.

Hafenkonzert von der Alemannia

Gert Milleville

Vor der Abfahrt zur 2.Reise Ende November Anfang Dezember 1965 wurde am Sonntagmorgen das Hafenkonzert des NDR von der Alemannia gesendet. Wir hatten auch Weihnachtsbäume bis Singapore an Bord. Dort wurden sie dann auf andere HAPAG-Schiffe verteilt .Es gibt nur wenig Schiffe von denen ein Hafenkonzert gesendet wurde.

Die ersten Honda S600 auf der Jungfernfahrt der MS Alemannia

(nach Informationen von Erich Mayer)
Die Bild am Sonntag berichtet in ihrer Ausgabe vom 28. November 1965 von der Ankunft der ersten 50 Honda S600 Automobile in Hamburg. Die MS Alemannia brachte auf ihrer Jungfernfahrt nach Ostasien diese kleinen Honda Sportwagen als Cabrio oder Coupe mit nach Deutschland. Am 26.November 1965 wurden die ersten Fahrzeuge für den europäischen Markt in Hamburg gelöscht. Zwei Fahrzeuge gingen nach Skandinavien, der Rest wurde in der Schweiz und in Italien verkauft.

Guten Aussichten

(von Capt. Hans J. Wienbeck)

Bin über das Seeleute-Forum auf die Homepage gestoßen, und dabei viel mir diese kleine Geschichte wieder ein:

Versuche, mich noch so gut es geht daran zu erinnern.

Unter Kapt. Egon Pelzer, auch Keule oder Rambler Egon genannnt (Rambler soll sein amerikanisches Auto gewesen sein)  habe ich eine Reise nach Asien/Philippinen als Steuermann-Frischling (zweiter 3. Offz) gefahren, muss wohl in 1967 gewesen sein, .1. Steuermann war Katzler (wenn er nicht dabei war, auch Klatoris genannt - ich zahle aber nichts in die Chauvi-Kasse!!!). Ich glaube Gerd(?) Jaeger war der reguläre 3. Offz, Hartmut Stelter meiner Erinnerung nach 2. Offz., Ronald Wöhrn O.A.

Keule war schon auf der Ausreise für uns Steuerleute ziemlich anstrengend und beschäftigte uns (vor allem mich) ständig mit irgendwelchen (aus meiner Sicht überflüssigen ) Aufgaben (er schloss wohl aus seiner eigenen Beanspruchung, dass wir ständig unterbeschäftigt sein mussten). Zudem saß er fast ständig auf der Brücke und "nervte" mit seinen Fragen und Aufgaben. Das war für mich auf der 8-12 Wache, die ich mir teilweise mit dem regulären 3. Offz teilte, sehr lästig, zumal ich ja jeden Tag meine/unsere Standlinien "zu Fuss"  auszurechnen hatte und das Mittagbesteck vorbereiten musste. Also  hatte ich nie Ruhe auf der Wache und viel - wie ich meinte - überflüssigen Stress.

Auf der Heimreise hatten wir ab HongKong als Passagier zwei Paare  mittleren Alters. Eine der Frauen war sehr attraktiv. Wir bemerktren, dass Keule sich überaus charmant gab, was ihm aber auch durchaus lag.

In Port Swettenham sollten wir Schnittholz als Deckslast bekommen. Dabei hatte jemand die Idee, die Deckslast doch so zu stauen, dass wir bei geschickter Verwendung von Persennigen einen Seewasserpool gestalten konnten. Die Idee kam bei der Schiffsleitung gut an und es wurde eine entsprechende Stauanweisung gegeben. Die Frage, an welcher Stelle der Pool entstehen sollte, wurde schnell mit der Steuerbord Seite Vorkante Brücke entschieden. Und so wurde dann auch gestaut und der Pool gebaut.

Die "Anlage" wurde auch für die Passagiere zugänglich gemacht. Der Pool wurde bald auch von den Passagieren gut angenommen und reichlich benutzt. Da wir das Holz um den Pool herum besonders glatt hatten stauen lassen und der Bootsmann mit Rappeltüchern und Persennigen eine richtig schicke "Liegewiese" eingerichtet hatte, hielten sich die Passagiere überwiegend dort auf, natürlich in Badezeug/Bikini - was schon sehr ansehnlich war. Auf der Heimreise war Keule nur noch selten auf der Brücke; - und das KapitänsFernglas war dort  übrigens auch nicht mehr, wie mir auffiel. Somit waren wir alle(?) auf der Heimreise wesentlich entspannter als auf der Ausreise.

Alles in allem hatte ich mich aber auf meiner ersten Steuermannsreise auf der ALEMANNIA nicht wohl gefühlt, was vor allem an Keule Pelzer lag. Nach der Reise wurde ich erfreulicherweise versetzt und fuhr nun als vollwertiger 3. Offizier. Den Trick mit dem Pool habe ich nie vergessen - aber seine neuerliche Anwendung war dann später nicht mehr notwendig.

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