Walhai überfahren

Wir fuhren durch die Karibik in Richtung Christobal. Kapitän Kunick hatte ein Bootsmanöver für morgens um 10 angesetzt. Als das Typhon das Morsezeichen B, -ein lang, drei kurz- blies, rannten alle Mann auf Ihre Station. Ich selbst brauchte nicht an der Übung teilnehmen, da ich Wache in der Maschine hatte. Die Wachgänger auf der Brücke und in der Maschine waren vom Bootsmanöver befreit.

Es dauerte nicht lange, da ging ein Anruf von der Brücke ein. Der wachhabende Offizier bemängelte, dass die Selbstruderanlage nicht mehr in der Lage war das Schiff auf Kurs zu halten. Bei uns in der Maschine stiegen nun langsam die Abgastemperaturen der Hauptmaschine an. Keiner hatte eine Erklärung für das seltsame Verhalten des Schiffes. In der Maschine und auch auf der Brücke war trotz intensiver Suche nichts auszumachen, was ein derartiges Verhalten hätte erzeugen konnte. Da kam Chief Spiekermann der rettende Einfall. Er schickte den Assi Rolf Fassel, der mittlerweile die Wache übernommen hatte, auf die Back und ließ ihn den Rumpf absuchen. Rolf fand auch bald die Ursache. Wir hatten einen Walhai überfahren. Das etwa 15 m lange Tier hing mit seinen Kiemen an unserem Bug  fest. Wahrscheinlich hatte er knapp unter der Wasseroberfläche in der Sonne gedöst. Sein markant gemusterter Körper schmiegte sich jetzt an der Backbordseite an den Bootskörper und sorgte durch diesen unsymetrischen Widerstand dafür, das der Kurs nicht gehalten werden konnte. Auf Grund der hohen Geschwindigkeit war der Fisch auch nicht in der Lage sich selbst zu befreien. Die ganze Mannschaft stürmte natürlich nach vorn um den Kameraden zu bestaunen. Jetzt erinnerten sich auch einige daran, dass kurz vor dem Bootsmanöver ein leichter Stoss durchs Schiff gegangen ist, etwa so, als wenn es etwas härter auf eine Welle aufschlägt. Wir hatten allerdigs zu dem Zeitpunkt eine spiegelblanke, glatte See. Obwohl ein paar Mann den Fisch gerne mit dem Ladebaum an Bord gehieft hätten, konnte der Walhai, nachdem wir mit der Geschwindigkeit runtergegangen waren, in der Tiefe der Karibik verschwinden

Reiner Jacob

Vorkommnisse auf Reise 20 und 21

Der Walhei hängt an Backbord am Bug

Ich habe auf der Alemannia zwei Törns nach Ostasien als Assi gemacht. Es waren die Reisen 20 und 21.

Von den Reisen habe ich viele Erinnerungen aber wenig Unterlagen.

Die Reise 20 führte von den Nordseehäfen über Livorno, Genua, Kapstadt (der Kanal war ja zu) nach Ostasien und über Japan, Hawaii Panama Kanal nach Europa. Auf diesem Törn wurde das Schiff dreimal von einem Taifun erwischt.

In Honkong riss das Schiff sich in der Taifun-Nacht vom Anker los und Trieb durch die Felsen. Erst nach 24h Stunden konnte ein Kontakt zum Schiff wiederhergestellt werden. Die an Land verbliebene Mannschaft erlebte abenteuerliche Sachen. Da wenig Geld noch vorhanden und in den Hotels die Fenster zerstört wurden schliefen einige freiwillig im Knast oder in der Lobby des Honkong-Hotels.

Die Reise 21 führte um das Kap der guten Hoffnung auf Aus- und Heimreise. Besondere Vorkommnisse auf dieser Reise waren die Aquatortaufe, das Weihnachtsfest in Hongkong sowie die Suche nach einem Seenotfall vor Süd-Afrika auf der Heimreise. Hierbei wurde das aufgeschwommene Rettungsboot des nach einer Kollision im Nebel gesunkenen griechischen Bulkcarriers aufgenommen.

Knut Frisch

Anekdoten